reflektive

Mother-Tasking und wochenendliche Spaßväter

Vereinbaren müssen nur die Mütter. Sie balancieren zwischen Kinderbetreuung und Arbeit/Karriere, sie müssen „alles unter einen Hut kriegen“ und damit ist auch die „Quality Time“ gemeint. Gesellschaftspolitisch ist Teilzeit die Vereinbarkeitsantwort von Frauen auf eine Kultur, die Verantwortung für Kinder Großteils Frauen zuschreibt. Für Väter bleibt der Spaß mit den Kindern am Wochenende und weniger Hausarbeit.

Spielväter und pflegende und verfügbare Mütter

Frauen leisten gemäß den Ergebnissen der Zeitverwendungsstudie (2008/9) den größeren Anteil an Kinderbetreuung. Einzige Ausnahme bildet das Spielen mit dem Kind – allerdings nur am Wochenende: hier haben die Väter den höheren Beteiligungsgrad. Auffallend ist der niedrige Anteil der Väter an der täglichen Kuschel-, Lern- und Vorlesezeit.

Nicht überall besteht eine Familie aus Vater-Mutter-Kind. Alleinerziehende Frauen arbeiten länger als die Vergleichsgruppe der Mütter in Paarbeziehungen, auch um sich existenziell abzusichern. Daher bleibt weniger Zeit, um mit Kindern zu spielen oder auch Freizeit.

Die Tätigkeitserfassung erfolgte nach Haupt- und Nebentätigkeiten. Dabei ist erkennbar, dass Frauen neben dem größeren Anteil bei den Haupttätigkeitszeiten für Kinderbetreuung, auch mehr Anteile bei der Kinderbetreuung als Nebentätigkeit haben. Sie integrieren Familienarbeit mehr mit anderen Tätigkeiten als Väter. Das strapazierte Multi-tasking ist de facto ein Mother-tasking. Und das bildet sich auch in den Ergebnissen ab.

Milde Urteile und sozialer Vergleich

Eine ÖIF-Studie, die Paare mit Kindern in ihrer Arbeitsteilung qualitativ untersuchte, stellte fest, dass bei den Befragungen Frauen den Anteil ihrer Partner an Haus- und Familienarbeit oftmals relativ zu deren Zeitbudget bewerten (2008, S. 35f.), während Männer den absoluten Anteil ihrer Haus- und Betreuungsarbeit in den Vordergrund rücken. Diese unterschiedlichen Einschätzungslogiken führen bei den Frauen zu einer Überschätzung des Zeitaufwands den ihre Partner bzw. Kindesväter leisten. Denn während die rollenspezifische Hausarbeit sozial akzeptierter ist, sind abwesende und unbeteiligte Väter im sozialen Vergleich problematischer. Im  sozialen Wettbewerb unter Jungmüttern geht es daher meist nicht nur um die Fortschritte ihrer Babys, sondern auch die Beteiligung der Väter. Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der Väterbeteiligung ist deren Bereitschaft, in Karenz zu gehen und Pflegetage zu nehmen. Denn solange Väter ihre meist zweimonatige Karenz als verlängerten Sommerurlaub betrachten und Frauen diejenigen sind, die Pflegetage nehmen, wenn das Kind krank ist, solange ist eine partnerschaftliche Aufteilung von Familienzeit nicht gegeben. Neben der Teilung der Zeiten und Aufgaben, geht es aber auch darum, Zeit gemeinsam als Familie zu verbringen. Dafür bleibt de facto nur am Wochenende oder im Urlaub ausreichend Zeit.

Dreckige Töpfe und Schmutzwäsche reden nicht zurück

Frauen verbringen Nachmittage in einem Tätigkeitsmix aus Haushaltstätigkeiten und Kinderbetreuung. Während Kinderbetreuung eher mit der zeitlichen Verfügbarkeit konnotiert ist, ist Sorgearbeit stärker mit dem sozialen Beziehungsaspekt verknüpft. Unabhängig von der Begriffswahl ist das Gefühl der Fremdbestimmtheit gerade bei Eltern mit Kleinkindern omnipräsent. In der Arbeitsteilung der Eltern mit Kindern führt dies auch dazu, dass nach Hause kommende Väter die Zeit mit ihren Kindern vorziehen und Mütter sich oftmals freiwillig und entspannt der Haushaltsarbeit widmen (ÖIF-Studie, S. 36). Dies führt zu einer weiteren Verfestigung der Schieflagen in der Hausarbeit, die aber von Müttern zu Gunsten der Vater-Kind Beziehung in (unbezahlten) Kauf genommen wird.

Generationale Reproduktion von Geschlechterrollen – der Kreis schließt sich wieder und wieder

Lernen geschieht über Vorbilder. Kinder erleben ihre Eltern und Großeltern und bekommen dabei ein Bild davon, was Familie sein kann. Diese Erfahrung wird mitgenommen. Wenn der Vater fürs Putzen zuständig war, dann besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sein Sohn dies (später) ebenso als männliche Aufgabe wie selbstverständlich aufgreift. Eine Möglichkeit, die Zeiterhebungsdaten zu kalibrieren, sind die Ergebnisse der Jugendwertestudie (2012, S. 34). Darin äußern junge Menschen klare Vorstellungen oder auch Ideale, wie die Aufgabenverteilung ihrer Meinung nach zwischen Männern und Frauen aussehen soll. So dominieren bei Jugendlichen ohne Matura traditionelle Rollenbilder, die Haus- und Familienarbeit den Frauen zuweisen. Für Jugendliche mit Matura oder akademischen Abschluss sind diese Tätigkeitsbereiche reine Verhandlungssache. Die Statistik zeigt: Beide jugendliche Ideale können zum selben ungleichen Ergebnis führen.

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Anna Schopf